Geschichte

Von Aufständen, Börsengängen, Flucht und mutigen Innovationen – über die Brauerei gibt es viel zu erzählen. 
Hier die wichtigsten Ereignisse im Überblick.

Aktuelles findest du in der Rubrik News.

1837 - 1867

1837: Der Grundstein war gelegt: Im sogenannten „Jahrhundert der Bierbrauer“ genehmigte das Stift Klosterneuburg am 18. September 1837 dem aus Rannersdorf stammenden Müllermeister Heinrich Plank, eine Brauerei zu gründen. Das 8000m2 große Gelände, welches neben dem Brauhaus auch einen Tanzsaal, einen Biergarten sowie Wohn- und Wirtschaftsräume umfasste, wurde im Folgejahr fertiggestellt und eröffnet.                                                                                                                                                             

In dieser Zeit bestand der Wiener Vorort Ottakring aus rund 150 Häusern, wovon 102 eine sogenannte Schankberechtigung besaßen.

1850: Heinrich Plank war mit 30 000 Gulden verschuldet und verkaufte die Brauerei an die beiden aus Břeclav stammenden Herren Ignaz und Jacob Kuffner. Nach der Übernahme 1850 reorganisierten die beiden jüdischen Cousins die Brauerei in Ottakring zu einem Großbetrieb und schafften es, die Ausstoßmenge des Bieres wesentlich zu steigern. Darüber hinaus etablierten sie sich nachhaltig als sozial engagierte Wiener Unternehmerfamilie und gingen als „Wohltäter“ in die Geschichte ein. Für seine großen Verdienste in Ottakring erhob Kaiser Franz Joseph I. am 6. Mai 1878 Ignaz Kuffner in den Adelsstand und verlieh ihm ein erbliches Adelsprädikat.

1867: Ignaz Kuffner verbesserte die Arbeitsbedingungen für seine Arbeiterschaft in der Brauerei, indem er eine eigene Werksküche mit Speiselokal einrichtete. Diese bot für jeden Arbeiter/jede Arbeiterin kostengünstiges und gutes Essen. Diese und eine Reihe anderer sozialer Leistungen waren für das Ende des 19. Jahrhunderts keineswegs selbstverständlich.

 

1882 - 1930

1882: Als Ignaz Edler von Kuffner am 23. März 1882 in Ottakring starb, trat sein Sohn Moritz Kuffner das alleinige Erbe an und setzte die Erfolgsgeschichte der Brauerei fort. Er war nicht nur ein würdiger Nachfolger als Brauherr, sondern auch Kenner der Philosophie, Nationalökonomie sowie der französischen und englischen Literatur. Bekannt wurde der erfahrene Alpinist und Hobbyastronom vor allem durch die Gründung seiner eigenen Sternwarte am Ostabhang des Gallitzinberges 1886, der heutigen Kuffner Sternwarte.

1891: Baubeginn des hauseigenen Brauwasser- Brunnens, den „Ottakringer Tiefquell“. Dieser wurde erst sieben Jahre später, 1898 fertiggestellt.

1892: Ottakring wurde als 16. Gemeindebezirk ein Teil der Stadt Wien.

1905: Moritz von Kuffner wandelte am 22. Mai 1905 die Brauerei in die „Aktiengesellschaft Ignaz Kuffner & Jacob Kuffner für Brauerei, Spiritus- und Presshefefabrikation Ottakring-Döbling“ um. Damit bewirkte er eine weitere Expansion des Unternehmens und schaffte mit einem Gesamt-Aktienkapital von etwa 10. Mio. Kronen ein Industrieimperium. Trotz der Umwandlung blieb die Brauerei ein reines Familienunternehmen.

1908: Der Darreturm, heutiges Wahrzeichen der Ottakringer Brauerei, wurde fertiggestellt.

1918: Der Zerfall der k.u.k. Donaumonarchie und die Gründung der 1. Republik führten zur Instabilität der österreichischen Wirtschaft. Die Absatzmärkte eines Großreiches wurden auf die des entstandenen „kleinen“ Österreichs mit 6,4 Millionen Einwohner dezimiert. Um das Braugewerbe zu reglementieren, wurde der österreichische Biermarkt in Form von Schutzvereinen kontrolliert.

1930: Die durch den Zusammenbruch der New Yorker Börse 1929 ausgelöste Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre traf auch die österreichische Bierindustrie in vollem Ausmaß. Es kam zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Absinken der Kaufkraft. In weiterer Folge führte diese Entwicklung, konkret in der Ottakringer Brauerei, zu einem Absatzrückgang von etwa 60%.

1933 - 1941

1933: Moritz Kuffner hatte bereits 1933 an einen Verkauf der Brauerei gedacht, zumal er die Entwicklungen im angrenzenden Nazi-Deutschland mit Sorge beobachtete. Seine Bedenken spiegelten sich darin wider, dass Teile der Brauerei, beispielsweise die Fenster sowie das Eingangstor doppelt verstärkt wurden, um den antisemitischen Übergriffen Einhalt zu bieten.

1938: Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 war die jüdische Familie Kuffner damit konfrontiert, die Brauerei möglichst rasch zu verkaufen, bevor es durch weitere „Enteignungs- und Arisierungsgesetze“ zu einem entschädigungslosen Verlust der Brauerei gekommen wäre. In Folge dessen verkaufte Moritz von Kuffner die Brauerei an den befreundeten Stockerauer Presshefe- und Spiritusfabrikaten Ing. Gustav Harmer. Die beiden Vertragspartner einigten sich auf einen Kaufpreis von 14 Millionen Schilling. Die Familie Kuffner flüchtete nach dem Verkauf in die Schweiz, wo Moritz Kuffner kurze Zeit später verstarb.

Am 27. Juli 1938 wurde überdies die Brauerei in „Ottakringer Brauerei, Spiritus – und Presshefefabriks- Aktiengesellschaft Wien“ umbenannt.

1941: Durch die während des Zweiten Weltkrieges entstandenen Qualitätseinschränkungen wurde ab dem Jahr 1941 die Verwendung von Molke notwendig. Die Molke lieferte in der Bierproduktion karamellähnliche Stoffe, die hinsichtlich des Geruchs und des Geschmacks stark an Malz erinnerten, welches dadurch eingespart werden konnte. Molkebier ersetzte in Zeiten von Rohstoffknappheit 10% der herkömmlichen Bierproduktionsmenge. Ab 1941wurde auch verstärkt Melasse zum Bierbrauen verwendet.

1945 - 1962

1945: Nach Kriegsende wurde die Brauerei provisorisch von der sowjetischen Besatzungsmacht verwaltet, ehe es der Familie Harmer gelang, ihren rechtmäßigen Erwerb zu beweisen.                                 

Raoul Kuffner wandte sich bereits am 13. November 1945 erstmals an die U.S. Reparations, Deliveries and Restitution Division. Auch Robert und Gustav Harmer suchten aktiv Kontakt zum Familienoberhaupt Stephan Kuffner in den USA und strebten eine endgültige Regelung, noch vor Verabschiedung der Rückstellungsgesetzte, an.

Der Historiker Oliver Rathkolb stellte in seinem Gutachten Restitutionsvergleich – Die Dokumentation eines Falles, Wien, 2000 unter anderem Folgendes fest: In der Gesamtbeurteilung kann festgehalten werden, dass die Familie Harmer sowohl 1938 als auch nach 1945 bestrebt war, eine – unter den Rahmenbedingungen des NS- Regimes – korrekte Abwicklung...des Verkaufes abzuwickeln.

Parallel dazu meldete am 21. Juni 1945 die Zeitung „Neues Österreich“, dass es in Ottakring wieder Bier gibt. 

1949: Die Rückstellungsverhandlungen zwischen der Familie Harmer und den Kuffners endete mit einer Entschädigungszahlung von rund 7,5 Mio. Schilling sowie 161 000 Dollar. Die Österreichische Historikerkommission fasste 2004 zusammen, dass der Arisierungsfall Ottakringer einer jener wenigen Fälle gewesen sei, in denen die gemeinsamen Interessen der Akteure gegenüber jenen des nationalsozialistischen Staates überwogen hätten. Die jüdische Eigentümerfamilie Kuffner und die Familie Harmer einigten sich einvernehmlich über den Verkauf der Brauerei.

Es konnte wieder 12grädiges Lagerbier gebraut werden. Davor gab es, aus Rohstoffmangel, nur "Dünnbier".

1962: Die Familie Wenckheim stieg in der Ottakringer Brauerei ein. Ihre Beteiligung unterstrich und verstärkte den Charakter der privaten Familienbrauerei.

1967 - 1989

1967: "Gold Fassl Spezial" kommt auf den Markt und ist innerhalb kürzester Zeit ausverkauft!

1977: Harmer und Wenckheim treffen eine richtungsweisende Entscheidung: Die Ottakringer Brauerei tritt aus dem Bierkartell aus. Dies hat zur Folge, dass der Gebietsschutz fällt und die Gastronomen nunmehr die Freiheit haben, sich den Bierlieferanten auszusuchen. Im selben Jahr kommt "Gold Fassl Pils" auf den Markt, das damals erste Pils in Österreich.

1984: Engelbert Wenckheim führt als Alleinvorstand die Brauerei.

1986: Die Ottakringer Brauerei AG bringt zum ersten Mal Jungaktien an die Börse. Seither notiert das Unternehmen im Standard Market Auction (ehemaliges C-Segment) der Wiener Börse – und entwickelt sich überaus erfolgreich.

1989: Ottakringer bringt die elegante, grüne Schulterflasche auf den Markt. Im selben Jahr übernimmt Mag. Sigi Menz die Gesamtverantwortung für den kaufmännischen Bereich von Diplomkaufmann Engelbert Wenckheim. Dieser wechselt in den Aufsichtsrat.

1990-2000

1991: Das alkoholfreie Ottakringer Null Komma Josef kommt auf den Markt. Bereits ein Jahr nach der Einführung ist es Marktführer in seinem Segment.

1997: Ottakringer beweist wieder einmal seine Vorreiterposition am österreichischen Biermarkt. Das Familienunternehmen bringt als erste österreichische Brauerei den Drehkorken-Verschluss auf den Markt – oder genauer gesagt auf die 0,33l-Einwegflasche.

2000: Sigi Menz wird Vorstandsvorsitzender der Ottakringer Brauerei, Christiane Wenckheim,
zuvor Marketing-Managerin in der Brauerei, wird zweiter Vorstand.

2003 - 2012

2003: Der Ottakringer Shop öffnet  seine  Pforten, direkt am Brauerei Gelände.

2005: Ottakringer verblüfft die Fach- und Biergenießer-Welt mit einem neuen Frischeverschluss, dem Blopp.

2007: Das 16er-Blech wird verwirklicht. In der Umgangssprache wurde das Ottakringer Dosenbier aber schon lange so genannt: „16“ steht für Ottakring, den 16. Wiener Gemeindebezirk und „Blech“ für das Dosenmaterial.

2008: Ottakringer erhält als erste österreichische Brauerei das AMA-Gütesiegel.

2009: Die Aktien vom niederländischen Bierkonzern Heineken werden zurückgekauft - Ottakringer ist nun wieder ganz in österreichischer Hand. Mag. Sigi Menz wechselt als Vorstandsvorsitzender in die Ottakringer Getränke AG und Christiane Wenckheim wird alleiniger Vorstand der Ottakringer Brauerei. In diesem Jahr wird auch das Ottarocker für Festivals gelauncht. 

2012: Die Ottakringer Brauerei öffnet sich der Stadt und wird innen sowie außen renoviert und verschönert. Im Herbst werden 175 Jahre am neuen Areal gefeiert und der neue Ottakringer Citrus Radler löst den Ottakringer Radler Zitrone ab. Die Brauerei enthüllt im Jubiläumsjahr eine ganze Palette an Neuerungen. Das frische Erscheinungsbild ist sicher der auffälligste, aber nicht der einzige Schritt, mit dem die Wiener Traditionsbrauerei Akzente setzt. In diesem Jahr wird auch die legendäre Bierrutsche gelauncht. 

2013-2014

2013: Start der Ottakringer Braukultur-Wochen! 10 Brauereien, 9 Wochen, 1 Fest der Braukultur. Am Freigelände präsentierten wir gemeinsam mit neun Gast-Brauereien neun Wochen lang ganz besondere Bier-Spezialitäten. Mit dabei: Ein bieriges Sommerprogramm, das bei freiem Eintritt an jedem Tag Kulinarik und Unterhaltung in der kultigen Sommerlocation Ottakringer Brauerei bietet. 

2013: Das Gold Fassl Zwickl ist in der Gastronomie seit Jahren ein Dauerbrenner. Nun hat die Wiener Qualitätsbrauerei ein Verfahren entwickelt, das die hohe Qualität des Zwickls auch in der Flasche gewährleistet und ist nun in der 0,5-Liter-Pfandflasche erhältlich.

2013: Die Ottakringer Brauerei beteiligt sich an der Kampagne „Sag’s am Mehrweg“, eine Initiative vom Lebensministerium. Eigenes Etikett als Flaschenpost an den Liebsten schicken und einen Jahresvorrat Ottakringer gewinnen! Der Gewinnerspruch kommt auf das Rückenetikett aller 0,5l Mehrwegflaschen Helles und Radler.

2014: Wiener Original. Stephansdom, Riesenrad, Schloss Schönbrunn – sie zählen zu den großen Wiener Wahrzeichen. Mit einer neuen Bierkreation, dem „Wiener Original“, setzt die Ottakringer Brauerei ein weiteres Wahrzeichen für Wien und greift eine über 100 Jahre alte Rezeptur auf, die die Braumeister zeitgemäß interpretieren. Als prominentes Testimonial für das „Wiener Original“ fungiert Nicholas Ofczarek. Auch im Jahr 2014 wurde erstmals die Biersommelier-Ausbildung angeboten. So macht Lernen Spaß: Bierige Fortbildung zum Österreichischen Biersommelier in der Ottakringer Brauerei Angesprochen werden Gastronomie-Profis, die sich fortbilden möchten, aber auch private Bierliebhaber, die ihr Praxiswissen über Bier erweitern wollen. 

2014: Handwerk im Brauwerk – kreative Biere von und im Herzen Wiens Das Brauwerk ist Wiens neue Kreativbrauerei, die zwar am Gelände der Ottakringer Brauerei angesiedelt ist, aber vollkommen eigenständig arbeitet. Das höchste Augenmerk wird hier auf die Herstellung handwerklich kreierter Köstlichkeiten gelegt. Darüber hinaus wird das Brauwerk als Stätte für Aus- und Weiterbildung in Form von Brauseminaren und Bierschulungen jeder Art dienen. 

2015 - 2017

2015: Über 1.000 Menschen fanden täglich den Weg ins Herz von Ottakring zu den Braukultur-Wochen. Das ist Besucherrekord! Sie kosteten sich durch die Biere von insgesamt elf Brauereien und die kulinarischen Schmankerl und genossen das gebotene Unterhaltungsprogramm. Außerdem neu: Das  Wiener G’mischte. Es präsentiert sich als ausgewogene, elegante Bierkomposition. Feines Hopfenaroma des hellen umspielt die leicht malzige – aber nicht zu süße – Note des dunklen Bieres. Die kastanienbraune Farbe mit kupferfarbenen Reflexen und das zarte Aroma von Bitterschokolade und Honig machen diese Bierkreation einzigartig und besonders „samtig“ im Genuss. Und Matthias Ortner wird zum Vorstand in der Ottakringer Brauerei. 

2016: Ottakringer wird zur besten Brauerei Europas gekürt und gewinnt beim European Beer Star Gold in den beiden wichtigsten Kategorien "Helles" und "Pils", sowie Silber für das "Dunkle" und "Porter".

2017: Die Ottakringer Brauerei feiert 180-jähriges Bestehen. Beim European Beer Star wird Gold Fassl Dunkles mit der Bronzemedaille ausgezeichnet. 3x Gold und 1x Bronze bei der Austrian Beer Challenge machen die Ottakringer Brauerei zum Dreifach-Staatsmeister.